Erdbestattung oder Kremation? Das “In Christo” im Gespräch mit Generalvikar Markus Walser


Wie stellt sich die katholische Kirche zur Feuerbestattung? “Erlaubt“ es die Bibel?

Sowohl bei den Gläubigen des Alten wie des Neuen Testamentes ist die Erdbestattung die selbstverständliche Praxis. Im Alten Testament wird die Feuerbestattung als schwere Schande und Strafe betrachtet. Sogar Feinde hatten ein Anrecht auf Erdbestattung. In vorchristlicher Zeit finden sich in Rom beide Formen der Bestattung. Unter dem Einfluss der Kirche setzte sich bei den Römern und Germanen die Erdbestattung durch. Die Ehrfurcht der Kirche vor dem toten menschlichen Körper basiert auf der jüdischen Tradition und dem Vorbild der Grablegung Christi: Der Leichnam Christi wurde am Karfreitag nicht verbrannt, sondern in ein Grab gelegt. Es war und ist den Christen grundsätzlich ein Anliegen, in der Nachfolge Christi und in der Erwartung der Auferstehung des Leibes beim Jüngsten Gericht in der Erde bestattet und nicht kremiert zu werden. Die Kirche hat nie verkannt, dass es Verhältnisse geben kann, in denen eine Feuerbestattung gerechtfertigt sein kann (z.B. zur Abwehr einer Seuche). Nachdem aber im Jahre 1869 der internationale Freimaurerkongress in Neapel die Feuerbestattung zu einem Kampfmittel gegen die Kirche gemacht hat, um dadurch explizit die Unsterblichkeit der Seele und den Glauben an die Auferstehung der Toten zu leugnen, führte dies zum ausdrücklichen Verbot der Feuerbestattung und zur Verweigerung des kirchlichen Begräbnisses im Falle einer Kremation. Dieses Verbot wurde 1963 aufgehoben, nachdem man glaubte, feststellen zu können, dass die Feuerbestattung den Charakter einer Leugnung der Auferstehung der Toten weitgehend verloren hat. Die katholische Kirche verbietet die Feuerbestattung nicht mehr strikte, es sei denn, sie wird aus Gründen gewählt, die der christlichen Glaubenslehre widersprechen. Allerdings zieht die katholische Kirche wegen des entsprechenden Symbolcharakters die Erdbestattung vor und empfiehlt diese ausdrücklich.


Wie sieht die diesbezügliche die Tendenz in Liechtenstein und in den Nachbarländern aus?

Nachdem bis vor wenigen Jahrzehnten die Feuerbestattung in Liechtenstein keine nennenswerte Rolle spielte, hat sie in den letzten Jahren - wie in den angrenzenden Regionen auch - zugenommen. Erzbischof Wolfgang Haas hat schon als ehemaliger Kanzler des Bistums Chur sehr dafür plädiert, dass die Erdbestattung aus den zuvor erwähnten Gründen beibehalten werden soll und dass die Kremation keine Förderung erfahren dürfe.


Stimmt das Gerücht, dass der Staat eine Feuerbestattung subventioniert?

Für die benachbarten Länder (Schweiz und Österreich) trifft dies wohl insofern zu, als die Krematorien meist mit Geldern der öffentlichen Hand gebaut sowie betrieben werden und nicht “kostendeckend‘ arbeiten; dasselbe trifft auch wenigstens teilweise auf die Erdbestattung auf den öffentlichen Friedhöfen zu. Vereinzelt mag es Platzmangel auf den Friedhöfen gegeben haben, im allgemeinen jedoch sind genügend Erdgräber vorhanden.


Welches sind Ihrer Meinung nach Vor- und Nachteile einer Feuerbestattung?

Aus der Sicht des christlichen Glaubens sehe ich keine Vorteile der Feuerbestattung. Vom Symbolcharakter her und auch im Hinblick auf ein bewusstes Abschied-Nehmen von den Verstorbenen und die damit zusammenhängende “Trauerarbeit“ ist die Erdbestattung vorzuziehen.


Wie sieht es in der Zukunft aus? Hat es genügend Platz auf unsere Friedhöfen?

Aufgrund der seit Ende der 60er-Jahre stark zurückgegangenen Geburtenrate ist schon in wenigen Jahrzehnten in unseren Breitengraden mit einem deutlichen Rückgang der Bevölkerungszahl und der Todesfälle zu rechnen. In allen mir bekannten Pfarreien bzw. Dörfern im deutschen Sprachraum konnten die Friedhöfe in dem Masse erweitert werden, dass kein akuter Platzmangel herrscht und auch kein Platzmangel abzusehen ist. Im übrigen ist noch anzumerken, dass für die Bestattung von Muslimen und Juden meines Wissens ohnehin nur das Erdbegräbnis in Frage kommt. Bei zunehmender Zahl von Menschen mohammedanischer Religion muss die öffentliche Hand somit für genügend Erdbesteattungsmöglichkeiten sorgen.


Wie hoch sind die Kosten für eine Feuerbestattung, verglichen mit einer Erdbestattung?

Genaue Angaben sind schwer zu machen, da nur die Beträge angegeben werden können, welche von den Hinterbliebenen bezahlt werden müssen. Dabei sind aber die von der öffentlichen Hand oder der Kirche aufgebrachten Kosten für Bau und Unterhalt von Erdgräbern, Urnennischen oder -gräbern und die Errichtung von Krematorien nicht berücksichtigt. Doch sollte eigentlich das Geld nicht das Hauptargument werden. Denn es geht bei der Bestattung um einen heiligen Ritus, also um den Ausdruck unseres Glaubens, der uns auch etwas wert sein soll, ohne dass dadurch die Beerdigung zu einer pompösen Angelegenheit werden muss.


Wäre nicht die Kremation aufgrund gesundheitliche Aspekte vorzuziehen?

Mir sind bei der Erdbestattung, wenn sie sachgerecht vorgenommen wird, keine nennenswerten Probleme für die Gesundheit oder das Erdreich bekannt. Jedenfalls konnte man über viele Jahrtausende problemlos damit “leben“. Bei der Feuerbestattung ist eine allfällige Luftverschmutzung durch die Abgase in Betracht zu ziehen. Mir sind aber dazu keine Untersuchungen bekannt. Problematisch ist sicher nicht der menschliche Körper als solcher. Probleme können jedoch von ihm aufgenommene Medikamente oder Implantate wie Herzschrittmacher usw. verursachen, die rein technisch gesehen als “Problemstoffe“ betrachtet werden müssten. Doch ergeben sich daraus nach meinem Wissensstand auch keine grossen Schwierigkeiten, so dass man auch heute noch als Christ bzw. als Katholik guten Gewissens den Wunsch äussern darf: Ich möchte in der Nachfolge Christi in der Erde bestattet werden und zwar in der Hoffnung auf die Auferstehung und das ewige Leben.