Pilgerfahrt der

„Marianischen Frauen- und Müttergemeinschaft“ (MFM)

nach ROM

29. Mai bis 2. Juni 2006

 

 

„Rom schön!“ Dieses Versprechen im Ohr startet eine frohe Pilgerschar bei verhangenem Himmel zur Reise in die Ewige Stadt. Die Brüder Fredy und Tony Schelbert (Drusberg-Reisen) bringen uns in 2 Cars - begleitet vom Reisesegen unseres geistlichen Betreuers Generalvikar Dr. Markus Walser - gekonnt und sicher via Gotthard in den Süden.

Altdorf ist die erste Station unserer Wallfahrt: Dort feiern wir bei den Mariannhillern die heilige Messe –  den Höhepunkt eines jeden der gesegneten Tage!

 

Es ist eine lange Fahrt; auch Staus bleiben nicht aus! Aber da es ab Mailand durch die Lombardei immer heller und die Landschaft abwechslungsreich wird, sind wir reichlich entschädigt! Besonders malerisch ist die Gegend ab Florenz in der Toscana. Unser Chauffeur erzählt auf der Reise einiges über Italiens Landschaft und Geschichte; letztere geht auf über 2500 Jahre zurück, und es lohnt sich, darüber zu lesen und sich von ihrer Vielseitigkeit faszinieren zu lassen! Überwältigend ist, Italien weist über 100’000 sakrale Bauten wie Kirchen, Brunnen, Denkmäler auf. Dass Italien im Laufe der Jahrhunderte von vielen Völkern beherrscht wurde (ca. 700 Jahre lang von den Römern), erkennt man an den verschiedenen Baustilen. In der Renaissance-Zeit prägten bedeutende Künstler, u.a. Borromini, Bernini, Giotto, Michelangelo den Stil des Barock. Das war jene Zeit, da die Päpste nach 70 Jahren Exil in Avignon nach Rom zurückkehrten – auf Bitten der hl. Katharina von Siena!

 

In der Stadt Rom, die 753 v.Chr. gegründet wurde, werden wir viele bedeutende Stätten wie Tempel, Kaiserpaläste, das Kolosseum, Thermen, Stadtmauern und -tore, Triumphbögen und vieles andere als ausgegrabene Ruinen finden.

 

In Rom erwartet uns eine ruhige Unterkunft bei den Salesianern in schönem Umgelände. Sie verwöhnen uns mit einem feinen Znacht, und wir geniessen die guten Betten für die relativ kurze Nachtruhe!

 

In der hI. Messe am nächsten Morgen spricht Generalvikar Walser von der vom Herrn gestifteten Kirche, die Gemeinschaft der Gläubigen ist, vollendet und weitergeführt wird. Ja, „der Heilige Geist wird euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe!“ – In unserer Gemeinschaft, der MFM, wollen auch wir an dieser Weiterführung arbeiten!

 

An allen drei Tagen unseres Aufenthalts in Rom begleitet uns der ehemalige Garde- Hauptmann, Herr Martin Utz, und lässt uns aus dem Fundus seines reichen Wissens schöpfen. – Heute trifft er uns bei den Kolonnaden am Petersplatz und erzählt uns über die Entstehung des Vatikans, des grossen Platzes, den Petersdom, „Vatikan“ ist ein vorchristlicher Begriff und meint „Vatikanisches Feld“. Zur Zeit des Kaisers Caligula, um 9 n.Chr., war dort eine 200x600 m weite Rennbahn; hier wurde Petrus, der 24 Jahre lang Papst war, im Jahr 67 gekreuzigt und beerdigt. Schon im Jahr 160 wurde über seinem Grab ein Altar gebaut, später in der Folge drei Kirchen, wobei der Petersdom eine Bauzeit von 120 Jahren beanspruchte – wegen Geldmangel!! (Bauzeit 1506 bis 1620). Das Petrusgrab wurde erstmals 330 n.Chr. geöffnet; aber erst 1968 stand fest, dass es das eigentliche Grab des Heiligen war!

 

Die Führung durch den Petersdom war grandios – wir durften uns der Kopfhörer bedienen, sodass alles verstanden wurde. Sicher hat jede, jeder von uns einen besondern Eindruck mitgenommen, sei es vom Papstaltar mit dem bronzenen Baldachin, den Papstgräbern bei den Altären, dem Heiliggeist-Fenster mit der es umgebenden Engelwelt, von den Statuen, den gewundenen Säulen, den Bildern, der Kuppel, der Pieta von Michelangelo, der heiligen Pforte, dem Stuhl Petri, von dem aus die Dogmen verkündet wurden... Das Grab des hI. Petrus liegt 7 m unter dem Papstaltar!

 

Auf der Stadtrundfahrt überqueren wir den Tiber, der als fruchtbarer Gott verehrt wurde. In der Frühzeit des Christentums war alles durchflossen vom christlichen Glauben und antikem Heidentum, Jeder Römer brachte im Tempel Opfer dar. Wie schön wäre es, wenn wir – auch in der heutigen Zeit! – dies nachahmten und dem Allerheiligsten in den Kirchen jeweils einen Besuch abstatteten!! Leider ist der Brauch weitgehend verloren gegangen...

 

Bis 1870 gab es in Rom viele Kirchen, herrliche Paläste, armseligste Wohnbauten, dazu den Tiber, der immer wieder die Stadt überflutete, Dann wurden Dämme gebaut und breite Strassen durch Wohnviertel gezogen – das „neue Rom“ entstand! Die schlechte Seite war, dass ganze Häuserzeilen abgerissen werden mussten...

 

Wir fahren über den Damm, vorbei an den Gebäuden der kirchlichen Gerichte, am Oratorium des Philipp Neri, an Ruinen antiker Tempel, an der Kirche vom Namen Jesu. Gewaltig erhebt sich das Denkmal von Viktor Emmanuel II., davor die Säule mit Maria und das Grab des Unbekannten Soldaten. Besonders beeindruckend ist die Trajanssäule am Trajansforum, in deren Basis die Asche des Kaisers begraben ist. Ein 900 m langes, mit Zeichen und Schriften versehenes Band zieht sich spiralförmig von unten nach oben. Auf den antiken Ruinen wurden später Loggien gebaut.

 

Das Forum Romanum (die kaiserliche Stadt), der Aquädukt, der Wasser aus den Albanerbergen zu den Kaiserpalästen führte, das Kolosseum mit seinen ehemals 80 Eingängen, 80 Bögen und Platz für 15.000 Personen, die innert 15 Minuten Platz nehmen konnten, der Triumphbogen des Kaisers Konstantin, der Circus Maximus, in dem Wettkämpfe stattfanden und der 320.000 Besucher aufnehmen konnte, die 19 km lange Stadtmauer mit 18 Torbögen, um 50 v.Ch. errichtet – es fehlen einem die Worte, um den Eindruck dieses „alten Rom“ zu beschreiben!!

 

Nur 3 km Luftlinie von hier, in „Tre Fontane“ wurde der hI. Paulus enthauptet. Sein Kopf schlug auf morastigem Boden auf, und hier sollen 3 Quellen entsprungen sein: daher der Name. Ebenfalls dort wurde eine Legion Soldaten (=1000 Mann) enthauptet. Vgl. die Thebäische Legion in Saint Maurice / Wallis! Die Basilika „St. Paul vor den Mauern“ (d.i. vor den ehemaligen Stadtmauern) erhebt sich über dem Grab des Apostels. Sie ist neben der Peterskirche, Sta. Maria Maggiore und dem Lateran eine der vier Patriarchalkirchen Roms. Alle hI. Stätten rufen unsere Bewunderung hervor – diese vor allem wegen den fast 200 monumentalen Säulen! Was der Mensch doch damals zu Stande brachte...!

 

Noch viel Sehenswertes liegt am Weg zum Pantheon, zu dem unser Stadtrundgang führt. Das Pantheon wurde auf einem Minerva-Tempel erbaut. Hier waren die ersten Thermenanlagen von Rom, und hier wurde, neben mehreren Königen, die hI. Katharina von Siena begraben. Für den Papstaltar und die Eingangstüren der Peterskirche wurden vom Pantheon wertvolle Bronzeteile „entführt“.

 

Grossartig stellt sich die Piazza Navona mit ihren wunderbaren Brunnen und den gewaltigen Skulpturen vor. Papst lnnozenz III., der am Platz wohnte, gab den Auftrag dazu. Wir besuchen die Kirche Sant’Agnese neben dem einstigen Sitz des Papstes.

 

Am 31. Juni dürfen wir an der Mittwoch-Audienz des Hl. Vaters teilnehmen – ein tiefes, ergreifendes Erlebnis! Auf dem riesigen Petersplatz (eine Ellipse von 240 m …)  haben sich 50’000 Menschen aus allen Kontinenten eingefunden. Durch unsere Anwesenheit drücken wir dem Oberhaupt unserer Kirche unsere Verbundenheit, Danksagung und Verehrung aus und bitten ihn um Seinen Segen, den er am Schluss uns, allen Angehörigen, Kindern und Kranken spendet. Papst Benedikt richtet in fünf Sprachen Grussworte an die Versammelten. Er hält Rückschau auf seinen kürzlich abgeschlossenen, eindrücklichen Besuch in der Heimat seines polnischen Vorgängers, Papst Johannes Paul II. Dankbar blickt er zurück auf die herzliche Aufnahme in Warschau. Er besuchte dort wichtige Gebetsorte und auch den Geburtsort des verstorbenen Papstes. Höhepunkte waren für ihn die Begegnung mit den Jugendlichen und die Liturgiefeier in Krakau. Den jungen Menschen legte er ans Herz: „Unsere Zeit braucht das Evangelium und die göttliche Liebe! Bleibt in Christus stark im Glauben, in der Hoffnung, in der Liebe! Lasst euch von Christus anstecken – ER befreit vom Übel! Der Heilige Geist gebe allen Kraft zum rechten Weg!“

 

In seinem Grusswort auf italienisch erwähnt er auch Gottes ewiges Erbarmen, das vor allem durch Sr. Faustina in der Welt bekannt und zu unserem Heil verbreitet wurde. Er erinnert an die Liebe zur Kirche und zum Kreuz und mahnt uns, stets an die Präsenz Christi unter uns zu denken!

Das Konzentrationslager Auschwitz/Birkenau und den zweiten Weltkrieg mit seinen 55 Millionen Toten erwähnt er und bittet, alles im Lichte Gottes zu sehen.

Beten wir für den Heiligen Vater, dass sein segensreiches Wirken Frucht bringen darf und er stark bleiben mag trotz allen Angriffen von innen und aussen!

 

Am Nachmittag fahren wir erneut auf die rechte Uferseite des Tibers – einst das Gebiet der Etrusker, eines kulturell hochstehenden Volkes, das aus der Gegend des heutigen Iran kam. Sie waren die eigentlichen Lehrmeister der Römer in Sachen Bogenbau, Entwässerung, Kunst und Religion, wurden aber später Jahrhunderte lang von ihnen unterjocht. Aus dem Tiber gäbe es übrigens ungeheuer viele Kunstschätze zu heben – er ist eine unermessliche Schatzkammer! Führten einst nur drei Brücken über den Fluss, so sind es heute 25!

Auf der Tiberinsel befindet sich ein Pflegezentrum; in der Nähe steht noch ein Teil der ältesten Brücke aus dem 7. Jh. v. Chr. Hier waren auch die Tiberhäfen sowie Synagoge und Getto der Juden. Die Kirchen des hI. Apostels Bartholomäus, des hI. Cosmedin, San Filippe und des hI. Niklaus von Myra fallen ins Auge. Auf einem der 7 Hügel Roms, dem Esquilin, befinden sich u.a. die Heiligtümer Sta. Maria Maggiore, San Alfonso und die Basilika Sta. Prassede (Praxedis) und ihrer Schwester Prudentiana.

In der Ersteren treffen wir auf Seine Exzellenz Bischof Romer (gebürtig von Benken / SG). Er erklärt uns vieles, besonders einzelne herrliche antike und neuere Mosaike, auch Bodenmosaike, denen unsere Bewunderung gilt. Eines zeigt Christus auf dem Thron, neben ihm Maria – eine einmalige Darstellung! In dieser Kirche befinden sich die Grabhöhle Christi und die Krippe Jesu. Bischof Romer erzählt uns die Geschichte der Kaiserin Helena, wie sie mit 400 Soldaten (und viel Geld!!) nach Jerusalem reiste und dort nach Gegenständen aus Jesu Zeit forschte. Unter anderem brachte sie Kreuzteile, Dornen, Nägel, Säule der Geisselung, Balsam und Schriftzüge des Pilatus mit nach Rom.

In San Alfonso befindet sich das Originalbild der „Mutter von der immerwährenden Hilfe“, der Patronin der MFM. Sie ist der sichere Hafen des Lebensmeeres, bewahrt vor Sünde, hilft als Mutter aufstehen von jedem Falle; sie ist Gnadenvermittlerin, Unbefleckte, Rat und immerwährende Hilfe. Wo die Verehrung gross ist, geschehen immer wieder Wunder und Gebetserhörungen.

Hier ist auch das Grab des hI. Alfons von Liguori.

 

In der wunderschönen Basilika Sta. Prassede dürfen wir mit unserem geistlichen Begleiter die heilige Messe feiern – Höhepunkt des heutigen Tages!

 

Zum Lateran gehören die Basilika, die Taufkirche (Baptisterium), der Papstpalast, ein Obelisk, die hI. Treppe. Die Lateran-Basilika ist die älteste Papstkirche und die eigentliche Kathedrale des Bischofs von Rom. Leider wurde die Basilika einige Male zerstört: Durch Vandalen, Erdbeben und Feuer... Deshalb residierten die Päpste 70 Jahre lang (bis 1377) in Avignon. Bei der Rückkehr war der Lateran so zerstört, dass die Päpste in den Vatikan übersiedelten. Papst Sixtus V. brachte die Bauten in den heutigen Zustand.

 

Im Innern der Pilgerkirche Sta. Croce fällt der gotische Papstaltar auf. Hier feiert der hl. Vater jeweils am Hohen Donnerstag Eucharistie mit Fusswaschung. – Die Häupter von Petrus und Paulus sind hier in Büsten verwahrt und zur Verehrung ausgestellt. In einer Glasvitrine der Seitenkapelle laden die oben erwähnten, von Kaiserin Helena aus Jerusalem gebrachten Reliquien aus der Zeit Jesu zur Betrachtung des Leidens Christi ein.

 

Am 1. Juni dürfen wir in der heimeligen, bethaften Kapelle der Schweizergardisten die heilige Messe mitfeiern. An dieser Stelle ist die Grabstätte jener 149 Gardisten, die beim „Sacco di Roma“ bei der Verteidigung des Papstes ums Leben kamen. Es ist ein Privileg, „hinter die Kulissen“ schauen zu dürfen!! In der Kantine der Gardisten wird uns ein Apéro angeboten, den wir dankbar geniessen!! Nun besuchen einige die Grabstätte der Päpste in der Krypta des Peterdoms und die Sakramentskapelle; die „weniger Müden!“ fahren auf der Via Appia Antica zu den Katakomben. Zur Zeit der Römer durften keine Friedhöfe innerhalb der Stadtmauern angelegt werden; deshalb beerdigte man alle Bürger ausserhalb. Während den 250 Jahren der Christenverfolgungen waren diese Grabstätten gleichzeitig ein Schlupfwinkel für die junge Christengemeinde – die Gläubigen hielten dort (und auch an geheimen Orten in der Stadt) ihre Gottesdienste. Nachdem Kaiser Konstantin im 4. Jahrhundert die freie Glaubensausübung gestattete, holten die Christen die Gebeine ihrer Gefährten aus den Katakomben und brachten sie in die zu ihrer Ehre gebaute Kirchen.

 

Nur ungern verlassen wir nach Gottesdienst und feinem Zmorge unsere „geistige Heimat“, das schöne Rom! – Ein Leckerbissen ist die Fahrt über den San Bernardino, sind doch Gotthardpass und -strasse gesperrt...! Müde, aber reich beschenkt kehren wir heim!

 

Ein ganz herzliches Vergelt‘s Gott gebührt Herrn Generalvikar Dr. Markus Walser, unserer lieben Präsidentin Trudi Walser, und natürlich den beiden Chauffeuren Fredy und Tony Schelbert, die uns so sicher (und von vielen Schutzengeln begleitet!!) geführt haben! Wir freuen uns auf die nächste Pilgerfahrt!

 

Agnes Neidhart